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Iberische Reitartikel

SADKO G. SOLINSKI, Jahrgang 1937, Schweizer und Franzose polnischer Abstammung, wuchs am Bodensee auf, begann 1946 bei Baronin von Seydlitz zu reiten und wurde zwei Jahre später Schüler des Rittmeisters a.D. Carl von Zschock, unter dessen Anleitung er Dressur, Springen und Military ritt. 1957 brach er sein Chemiestudium ab, um seinen Militärdienst in der damals noch berittenen Schweizer Kavallerie zu absolvieren.

 

Ende 1957 reiste Solinski durch Spanien und Portugal und lernte auf dem Rückweg die südfranzösische Camargue und das gymnastizierende Ausbilden von Jungpferden kennen. Er begann sogleich eine fünf Jahre dauernde Zureiter- und Gardian- (Kampfstierhirten-) Lehre und studierte La Guérinières Reitprinzipien sowohl bei der Arbeit mit Kampfstieren als auch beim Ausbilden von Jungpferden dazu.

 

1964 wurde Solinski Bereiter und Reitlehrer in einem Wanderreiterzentrum in der Hochprovence, wo er vor allem junge Berber Hengste anzureiten und auszubilden hatte. 1968 wechselte er in ein Military-Zentrum bei Avignon über, wo er ein Schüler Pascal Marrys wurde.

 

1972 erwarb er das französische silberne Reitabzeichen und wurde Frankreichkorrespondent der "Freizeit im Sattel" in Bonn. Seine Bücher "Reiter der Camargue", "Der Wanderreiter und sein Pferd" und "Abenteuer Camargue" erschienen zwischen 1972 und 1975.

 

1975 eröffnete Solinski das "Centre International de Cavaliers de Loisirs" in Barjac, ein Freizeitreiterzentrum für Reiter aus ganz Europa, die hier das Bereiten von Jungpferden, die ausschließlich gymnastizierende Pferdeausbildung bis zu den höheren Schulen und das Wanderreiten zu lernen trachteten. Er entwickelte zu diesem Zweck spezielle Hohlsättel und Kappzäume, welche die Pferde in keinerlei Weise behindern durften, bis zur Produktionsreife und übergab diese dann einem befreundeten Sattler-Meister zur Herstellung in größerem Rahmen. Ab 1976 wurden die Sättel und das Zubehör als "Malibaud-Programm" ausschließlich in Handarbeit angefertigt und fanden sogleich weite Verbreitung in ganz Westeuropa.

 

Solinski wurde inzwischen sowohl in Frankreich als auch im deutschsprachigen Raum als kompromißlos nur gymnastizierender Bereiter und Jungpferdeausbilder nach La Guérinière und - ab 1982 - auch nach Nuno Oliveira bekannt.

 

Seine Pferde legten unter seiner Führung über 30.000 KM auf Wanderritten zurück und brachten so die Landschaften der Ardèche und der Cévennen, der Camargue, der Provence und Occitaniens Hunderten von Reitern näher. Obwohl sie somit vor allem unter Reitgästen gingen, waren sie jederzeit mit oder ohne Gebiß wie an Seidenfäden zu führen und wie allein mit Gedankenübertragung zu reiten, zu versammeln und anzuhalten und ließen sich in der Bahn in allen Seitengängen und Gangarten selbst von Kindern "arbeiten".

 

1983 erschien Solitiskis "Reiter Reiten Reiterei" im Olms Verlag in Hildesheim und der Zustrom an Reitern, nun auch aus Skandinavien, Spanien und Portugal, zwang ihn, das Wanderreiten abzubauen, um dafür dem nur gymnastizierenden Reiten und Pferdeausbilden seiner Gäste mehr und mehr Zeit zu widmen.

 

1993 erschien "Das Gymnasium des Freizeitpferdes", ein praktischer Leitfaden der nur gymnastizierenden Pferdeausbildung wieder im Georg Olms Verlag.

 

1997 zwang ein chronisches Rückenleiden Solinski, sein Freizeitreiterzentrum definitiv zu schließen. - Seither beherbergt er nur noch Reiter bei sich in Malibaud (F 30430 Bariac), denen es allein um das Wohl ihrer eigenen Pferde geht und die beim Umsetzen der Ratschläge aus seinen Büchern oder jenen La Guérinières und Oliveiras auf echte Probleme oder Schwierigkeiten gestoßen sind. Für sie veranstaltet er weiterhin Ferien-Work-shops, während denen er in der Regel die Fotos, welche seine Gäste von ihrer Arbeit mit den eigenen Pferden mitgebracht haben, mit ihnen zusammen analysiert, um ihnen dann an, mit und auf seinen Pferden in der Bahn zu zeigen, wie er ihre Schwierigkeiten und Probleme lösen würde. Sein Erfolg mit diesem Vorgehen sowohl bei seinen Gästen als auch bei deren Pferden bringt ihm seither eine neue, vielversprechende Sorte Reiter ins Haus, die auch Malibaud und dessen Umgebung zu schätzen wissen.

 

Im Frühjahr 2000 erschien eben Solinskis neuestes Buch, Das "A-B-C des Freizeitreitens" erneut bei Olms in Hildesheim. Der Autor versucht damit, vor allem den Sinn der Reiter für die psychische Beziehung zu ihren Pferden zu vertiefen und sie auf Erfahrungen vorzubereiten, die sie ausschließlich mit Pferden, nicht auch mit Hunden, Katzen oder anderen Tieren machen können. Wie leicht Pferde dann aus dem gegenseitigem Sich-Erfahren mühelos gymnastisch ausgebildet werden können, läßt Solinski sodann die großen Reitmeister der Vergangenheit im dritten Teil der Arbeit darstellen.

 

2005 erscheint auf vielfältigen Wunsch seiner Schüler "Pferdegymnastik, Elemente der Pferdeausbildung". In diesem beschreibt er den Werdegang von Icaro, das junge Pferd des Nachbars, den er ausbildet. Darin beschreibt er nochmals deutlich das Spazierenführen und Longieren des jungen Pferdes sowie dir grundsätzliche Ausbildung des jungen Pferdes.

 

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Sadko verstarb im Dezember 2005 nach kurzer, schwerer Krankheit. Er hinterlässt eine grosse Lücke.

 

 

 

""Wer mit den Zügeln dem entspricht, was er über das Gebiss des Pferdes erfühlt, und mit der Hand dem, was er über die Zügel erspürt, und mit seinem Geist dem, was er in der Hand erfährt, der braucht keine Augen, um vorauszusehen, und keine Gerte, um die Pferde anzutreiben. Geistig entspannt und dennoch entschieden, führt er die lockeren Zügel... Die Hufe seiner Pferde fussen prompt dort auf, wohin er sie setzten wollte, und seine Pferde wenden, vorwärts und rückwärts gehen mit höchster Genauigkeit"

 

(Dieses Zitat aus dem alten China wurde von Zhang Zhan um 300 n. Chr. auf den taoistischen Weisen des 4. Jahrhunderts vor Christus Lie-zi zurückgeführt)  (aus Pferdegymnastik" Olms 2005

 

 

 

 

 

Artikel zum Thema: Wie ritt Francois Robichon de la Guérinière

 

 

 

 

ÜBER SADKO G. SOLINSKI

Sadko G. Solinskis Definition des Begriffes "Freizeitreiten"

Die  Dressurreiterei wurde erst vor etwa einhundertfünfzig Jahren und die Westernreiterei in ihrer heutigen Form erst in unserem Jahrhundert erfunden. Davon abgesehen ist das erklärte Ziel alles pferdegemässen kreativen Reitens, die Pferde nicht nur in ihren Bewegungen, ihrem Gleichgewicht und in ihrer natürlich-lockeren Losgelassenheit keinesfalls zu behindern, sondern – im Gegenteil – zu bestärken und zu fördern.

 

Maitre Nuno Oliveira hat dann auch immer wieder ausdrücklich betont, dass ausschliesslich absolut losgelassene Reiter, die locker in sich selbst ausbalanciert zu sitzen verstehen, Pferde locker in der Bewegung zu bewahren und in das Gleichgewicht zu reiten wissen.

 

Nach Professor Preuschoft lassen sich an modernen Spring- und Dressurpferden (Grosspferde) messbar relevant keine Hankenbeugungen, noch Gleichgewichtshaltungen „ auf der Hinterhand“ mehr nachweisen. Kompaktpferde hingegen leben und bewegen sich in der Regel geradezu, als planten sie, ausschliesslich ihre Selbsthaltung auf den Hanken und letzterer Beugung so vollkommen durchzugynmnastizieren, dass hierauf die Uebernahme des Gruppen- oder Herdenchefamtes nur noch ein Frage von Tagen bleibt. ".....

 

.." Solinski für seinen Teil, versteht unter dem Begriff „Freizeitreiter“ steht’s den „Homme de Cheval“und mit „Freizeitreiten“ das traditionsbewusste, pferdegemäß gymnastizierende Reiten das nicht mit Dressur noch Pferdeabrichtung verwechselt werden darf. 

Die allgegenwärtigen Sonntagsreiter oder auch „Gammler zu Pferd“und deren Tätigkeit sammelt er unter dem Begriff des Quodlibetreiters („ was-beliebt-Reiterei“). 

 

Alles pferdegemässe und gymnastizierende Reiten stammt unmittelbar von der Pferde- und Reitkultur der Alten Berber und Iberer ab und erweist sich von dieser heute noch ebenso grundlegend beeinflusst und durchdrungen , wie sich die aktuelle deutsche Reiterei dem Kavalleriereglement und Militärreitlehren verpflichtet zeigt.

 

Sowie das traditionelle pferdegemässe Reiten in Südwesteuropa heute noch geübt und gepflegt wird, blickt es zumindest auf eine über fünfhundertjährige Tradition zurück und kann allein schon deswegen weder ein blosse „Abweichung oder Variante“ der offiziellen Sportdressur-, noch der Westernreiterei sein. 

 

 

 

 

 

 

 

Lesen Sie von Solinski "das Gymnasium des Freizeitpferdes", Olms Verlag

 

 

 

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